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Stolpersteine: Zehn Jahre Erinnerung

Stolperstein
06. Juni 2006 0 Kommentare

In Lingen schimmern seit April letzten Jahres die kleinen Messingsteine an 12 Stellen auf Gehwegen. Hier liest, wer genau hinschaut, die Namen von Menschen, die einst in den anliegenden Häusern wohnten - bevor sie von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Vor zehn Jahren verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig die ersten 55 der so genannten „Stolpersteine“ in Berlin auf der Oranienstraße.

Diese Form des Verlegens im Straßenpflaster ermöglicht ein dezentrales Gedenken an Opfer des Holocausts an vielen Stellen und nach langer Zeit. Anders als beim Anbringen einer Gedenktafel bedarf es nicht der Genehmigung eines Hauseigentümers, die auch in Lingen nicht gegeben wurde. Obwohl auf einigen Internetseiten der rechtsextremen Szene zur Zerstörung der Stolpersteine aufgerufen wurde, sei dies bislang nur selten gelungen. „Die Nazis können ruhig auf den Steinen herumspringen, dadurch werden sie nur blank und glänzen umso mehr“, sagt Demnig.

Bis heute habe Demnig rund 8000 Gedenksteine in über 150 deutschen Städten im Trottoir verankert, so der Künstler. Auch in Österreich gebe es bereits zwei, im Sommer sollen weitere folgen. Kommendes Jahr werde er voraussichtlich erstmals in Budapest und Umgebung sowie in Odessa arbeiten. In absehbarer Zeit verlegt Demnig 134 Steine in mehreren Bezirken der Hauptstadt. Zurzeit seien die meisten in Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte zu finden. Doch auch in Charlottenburg- Wilmersdorf, wo vor dem Krieg sehr viele Juden lebten, kämen immer mehr hinzu.

«Das Interesse ist unheimlich groß», sagt der Künstler. Er bekomme Anfragen aus aller Welt von Menschen, die für ihre von den Nazis ermordeten Angehörigen - Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, Behinderte oder Homosexuelle - einen Stein spenden wollten. Aber auch Hausgemeinschaften, Kommunen und Gemeinden meldeten sich und übernähmen Patenschaften für die kleinen Denkmäler. „Das Schöne ist, dass das Projekt etwas auslöst - plötzlich wollen Anwohner und Passanten wissen, was eigentlich mit ihren einstigen Nachbarn geschehen ist“, sagt Demnig.

Die Lingener Initiatoren, die sich mit dem Künstler über das Jubiläum freuen, werden in einem zweiten Schritt, nachdem die bisher in Lingen verlegten Stolpersteine das Kern-Centrum betrafen, im Frühjahr 2007 weitere Stolpersteine in den centrumsnahen Bürgersteigen verlegen lassen. Lingens Bürger werden hierüber zeitig informiert.



 

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